Helge Schneider Biographie Biographie

Helge Schneider ist Unterhaltungskünstler, Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur, Schauspieler und Multiinstrumentalist. Bekannt geworden ist er durch Bühnenauftritte, in denen er noch heute Klamauk und Parodien mit Jazzmusik verbindet. Ein entscheidendes Element seiner Arbeit ist die Improvisation.
Helge Schneider wurde 1955 in Mülheim an der Ruhr im Ortsteil Styrum geboren, heute lebt er zwischen Essen und Mülheim. Sein künstlerisches Schaffen ist eng verbunden mit seiner Geburtsstadt und ihrer Umgebung, dem Ruhrgebiet. Schon in früher Kindheit zeigte sich sein musikalisches Talent, vor allem seine Begabung für das Klavierspiel. Als fünfjähriges Kind begann er Klavier und im Alter von zwölf Jahren Cello zu spielen. Ebenso früh zeigten sich seine Ambitionen, Kabarettist zu werden: Er wollte „auf der Bühne stehen, Clown sein und Musik machen.“
Anfänglich ein guter Schüler, verlor Schneider bald das Interesse an einer schulischen Laufbahn, brach die Schule 1971 ohne Abschluss ab und begann eine Lehre als Bauzeichner. Als Grund für den schulischen Absturz nennt er rückblickend seinen damals einsetzenden Drogenkonsum, der seine ganze Jugend geprägt haben soll.
1972 begann er − nach einer Sonderbegabtenprüfung − am Duisburger Konservatorium ein Klavierstudium, das er bald darauf ebenfalls abbrach, weil ihm das Auswendiglernen von Noten nicht zusagte. Sein Interesse galt vielmehr dem Jazz – auf Jam Sessions stieg er beispielsweise bei George Maycock ein. Zu seinem Broterwerb versuchte er sich auch in verschiedenen Berufen wie Landschaftsgärtner, Dekorateur, Tierpfleger und Polsterer.
Seine freie Zeit verbrachte er in diesen Jahren gerne in einem Stehcafé von Eduscho, wo er die Menschen um sich herum beobachtete und sich deren Gesten und Argumentationen einprägte. Als besonders beeindruckend und unterhaltsam empfand er dabei ältere Männer, die trotz ihrer Unzulänglichkeiten immer souverän blieben. Diese Oppas wurden zu seinem Vorbild. In Interviews nannte Schneider diese Zeit sein Eduscho-Studium, dem er große Bedeutung für seine spätere Arbeit beimisst.

Ab 1977 bemühte sich Helge Schneider intensiv darum, mit seinen künstlerischen Talenten Einkünfte zu erzielen: Er verdiente seinen Unterhalt durch Auftritte mit Peter Burschs Bröselmaschine sowie mit verschiedenen eigenen Bandprojekten, u. a. mit Charly Weiss (Schneider/Weiss Duo aka El Snyder & Charly McWhite aka Helge Schneider Trio), als Studiomusiker (z. B. für Albert Mangelsdorff, Eckard Koltermann, Frank Baier), mit Kompositionsaufträgen (für Werner Nekes), als Stummfilmbegleiter und als Schauspieler. Nach der Geburt seiner ersten leiblichen Tochter sah er sich 1982 dann zusätzlich vor die Aufgabe gestellt, eine Familie zu ernähren. So arbeitete er ab 1983 als Studiomusiker, unter anderem bei Marie Deutschland und der DaCapo Movie Band.
1986 spielte er die Hauptrolle in Werner Nekes’ Film Johnny Flash. Im Jahr darauf drehte er seinen ersten eigenen Film, den Kurzfilm Stangenfieber. Es folgten Auftritte in Filmen von Christoph Schlingensief, den er bei dessen Kulturabenden im Elternhaus bereits kennen und schätzen gelernt hatte.
Von 1985 bis 1991 war Schneider Co-Moderator der Fernseh-Musik-Sendung "Off-Show" des WDR, zunächst neben Reinhold Beckmann, ab 1990 neben Evi Seibert. Dort zeigte er kleine Sketche und interviewte Musiker. In der Sendung Queen’s Palace des HR trat er mit Sketchen auf, teilweise begleitet von Hans Werner Olm. In diesen Jahren arbeitete er an seinen musikalischen Grundlagen, lernte das Spielen vieler weiterer Instrumente und eignete sich Bühnenerfahrung an. Er entwickelte seinen persönlichen Stil der Antikomik, der sich Kritikern zufolge durch Respektlosigkeit, kindischen Unsinn und das Vermischen von Banalem mit Anspruchsvollem auszeichnet.
Regelmäßig besuchte er in dieser Zeit die Jazz-Sessions im Bahnhof Süd in Essen, in der Werkstatt in Essen-Steele und in der Jazz-und-Art-Galerie in Gelsenkirchen, wo er sich zwanglos mit anderen Musikern zum Improvisieren traf. An Freitagabenden trat er eine Zeitlang im Steeler Cafe Kulturforum auf und spielte dort Jazz in einem Trio. Zu diesem Zeitpunkt war er der breiten Öffentlichkeit noch völlig unbekannt.
1989 veröffentlichte er seinen ersten Tonträger, Seine größten Erfolge, mit Songs aus dem Film Johnny Flash. Es folgten die Platten Hörspiele 1 & 2 und New York I’m coming.

Ab 1989 stieg Schneiders Bekanntheit in Deutschland durch seine Auftritte unter dem selbst zugelegten Beinamen „Die singende Herrentorte“. Auf der Bühne zelebrierte er eine Mischung aus absurden Geschichten, parodistischen Schlagern und Jazzmusik. Er trat solo und mit „seiner kleinen Band“ Hardcore, bestehend aus Buddy Casino (Klavier und Farfisa-Orgel) und Peter Thoms (Schlagzeug), auf.
1992 gelang ihm mit dem jeweils zur Hälfte live und im Studio aufgenommenen Album Guten Tach der kommerzielle Durchbruch. 1994 wurde Helge Schneider durch einen TV-Auftritt bei Wetten, dass..? einem Millionenpublikum bekannt und das Stück Katzeklo platzierte sich daraufhin in den deutschen Charts. Schneider konnte mit seinen Programmen nun größere Säle füllen. Es erschien das Doppelalbum Es gibt Reis, Baby, für das er eine Goldene Schallplatte erhielt, und der erste Kriminalroman. Mit dem Kinostart von Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem erreichte der Kult um Schneider einen vorläufigen Höhepunkt. Zugleich löste dieser in Deutschland eine Diskussion über den kulturellen Wert seiner Arbeit und die Situation des deutschen Humors an sich aus. Erst Jahre später sollte Schneider als erfolgreicher Entertainer und Künstler allgemein anerkannt werden.
Als der Kult um Helge Schneider für ihn unerträglich wurde, zog er sich von der Bühne zurück. Das Auftreten vor immer größeren Menschenmassen entsprach nicht seiner Vorstellung von Kunst. Auch wollte er sich der zunehmenden Vereinnahmung seiner Person durch die Medien und der Stilisierung zu einem Star entziehen. Hinzu kommt, dass er in seinen Programmen immer mehr den Schwerpunkt auf Jazzmusik legte - das allgemeine Publikum hingegen seine Konzerte zunehmend wegen der absurden Geschichten und Schauspieleinlagen besuchte. Er drehte seinen zweiten Film, 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter.

Nach einer zweijährigen Pause gab Schneider 1995 parallel zu dem Album Es rappelt im Karton sein Bühnen-Comeback. Er ging mit einer Bigband, bestehend aus alten Freunden und Musikerkollegen aus Mülheim, auf Tour. Seitdem stand er regelmäßig mit wechselnden Besetzungen mit der Rockband Helge & the Firefuckers, mit Hardcore wie auch solo auf der Bühne. Weitere Bücher und Alben wurden veröffentlicht.
Nach dem in seinen Augen misslungenen Film Praxis Dr. Hasenbein (1996), der von der Kritik durchaus wohlwollend aufgenommen wurde, wollte er keine weiteren Filme drehen. Der „Stress“ sei ihm zu groß und das Ergebnis von den vielen Mitarbeitern so stark beeinflusst, dass er seine Handschrift nicht mehr erkennen könne. 2004 machte er jedoch mit dem Film Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm einen weiteren Versuch mit diesem Medium.
2003 erschloss sich Schneider mit seinem Stück Mendy – das Wusical das Theater. Mit der Single Helges Mörchen-Lied landete er einen weiteren Chart-Hit.

Schneider feierte 2005 seinen 50. Geburtstag, steht nach wie vor regelmäßig auf der Bühne und schreibt Bücher. Nicht zuletzt durch unterschiedliche Preise wird er heute als Klassiker und fester Bestandteil der deutschen Humor-Kultur gewürdigt. Am 11. Januar 2007 startete Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler von Regisseur Dani Levy mit Schneider in der Hauptrolle als Adolf Hitler in den Kinos. Im Winter 2007/2008 war er mit seiner Band auf Akopalüze Nau!!!-Tour durch Deutschland. Eine gleichnamige Live-CD erschien Ende 2007. Ende Dezember 2009 startete er die Tour „Komm, hier haste 'ne Mark!“ in seiner Heimatstadt Mülheim. Im Herbst 2010 trat er in der Kinowerbung für das Wochenendabo der tageszeitung (taz) auf. Dafür wurde ein Ausschnitt aus seinem Film „Jazzclub“ verwendet. Im Oktober 2012 hatte seine Talkshow Helge hat Zeit im WDR Premiere. Die 75-minütige Sendung sollte in „lockerer Folge“ ausgestrahlt werden und beinhaltete Gespräche und Musikeinlagen. Im Januar 2013 wurde bekannt, dass Helge Schneider die Sendung nach nur zwei Folgen beendet, weil es „nicht sein Ding“ sei, er „gehöre auf die Bühne“. Schneider hat sechs Kinder von vier Frauen.
Quelle: wikipedia.org
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