Nils Landgren Biographie Biographie

Nils Landgren ist ein schwedischer Posaunist und Sänger. Er ist einer der erfolgreichsten europäischen Jazzmusiker. Seine bekannteste Formation ist die Nils Landgren Funk Unit. Wegen seiner roten Posaune trägt er den Spitznamen „Mr. Red Horn“.

Landgren wurde in eine musikliebende Familie geboren; sein Vater war Jazz-Kornettist. Mit sechs Jahren begann er, Schlagzeug zu spielen, und wechselte mit 13 Jahren zur Posaune. Von 1972 bis 1978 studierte er klassische Posaune in Karlstad und Arvika. Durch Begegnungen mit Bengt-Arne Wallin und Eje Thelin beeinflusst, wechselte er dann zum Jazz. Nach seinem Umzug nach Stockholm startete Landgren seine professionelle Karriere u.a. mit einer Tour mit dem schwedischen Popstar Björn Skifs (US Pop-Charts Number One mit „Hooked on a Feeling”) und 1981 als Lead-Posaunist mit dem Big Band-Projekt „Ball of Fire“ von Thad Jones. Der Posaunist arbeitete in den Folgejahren mit ABBA, The Crusaders, Eddie Harris und Herbie Hancock. Seinem Album-Debüt „Planet Rock“ (1983) folgten die Alben „Streetfighter“ (1984), „You are my Nr 1“ (1985), „Miles from Duke“ (mit Bengt-Arne Wallin 1987), „Chapter Two 1“ (1987), „Chapter Two 2“ und „Follow your heart“ (1989). 1995 wechselte Landgren als Exklusivkünstler zum deutschen Independent-Jazzlabel ACT Music, dem er bis heute treu ist.

1992 gründete der Posaunist die Nils Landgren Unit und trat mit ihr mit großem Erfolg auf dem Playboy Jazz Festival in Los Angeles auf. Der internationale Durchbruch kam jedoch erst 1994 mit dem Auftritt auf dem deutschen JazzBaltica-Festival in Salzau und der Umbenennung in „Nils Landgren Funk Unit“. Mit dem 1995 erscheinenden Debütalbum „Live in Stockholm“ (mit Maceo Parker als Gast) wurde die Band international bekannt. Das Album markierte zugleich den Start der Zusammenarbeit mit dem ACT Label. Ein Jahr später folgte das erste Studioalbum „Paint it Blue“, eine Hommage an den Bebop-Saxophonisten Cannonball Adderley mit Gastmusikern wie den Brecker Brothers und Till Brönner. Mit diesem Album gewann Landgren zum ersten Mal den German Jazz Award. Als einen Höhepunkt in der Karriere der Funk Unit kann man den Auftritt im Rahmen des Montreux Jazz Festival 1998 bezeichnen. Der Livemitschnitt wurde 1998 unter „Live in Montreux“ veröffentlicht. Unter anderem mit Esbjörn Svensson, Fred Wesley und Roy Hargrove veröffentlichte Nils Landgren 1999 „5000 Miles“, wofür er für den ECHO nominiert wurde. Mit „Funky ABBA“ zollte Landgren 2004 der bekannten schwedischen Popband Tribut. In Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen“ unterstützte „Funk For Life“ (2010) ein wohltätiges Musik-Projekt im Slum Kibera (Nairobi). Regelmäßig reist Landgren mit seiner Funk Unit dorthin, um mit den Kindern und Jugendlichen vor Ort Musik zu machen. Seit Ende 2010 ist die Besetzung der Funk Unit unverändert, mit Bassist und Sänger Magnum Coltrane Price, den Holzbläsern Magnus Lindgren und Jonas Wall, Sebastian Studnitzky am Keyboard, dem Gitarristen Andy Pfeiler sowie Schlagzeuger Robert Mehmet Ikiz. In dieser Formation und mit den Crusaders-Legenden Joe Sample und Wilton Felder sowie Till Brönner als Gästen erscheint im Mai 2013 „Teamwork“.

Nils Landgrens Gesang war erstmals auf der originalen Aufnahme des ABBA-Songs „Voulez Vous“ zu hören, auf der er auch Posaune spielt. In den Jahren 1985–87 trat er für 360 Shows des schwedischen Erfolgsbühnenstücks „SKÅL“ als Sänger, Schauspieler, Posaunist und Tänzer auf. Ab dem Album „Ballads“ (1993) konzentrierte er sich neben seiner instrumentalen Tätigkeit und seinem vokalen Einsatz in der Funk Unit nun auch auf den Balladen-Gesang. Dies führte er 2003 gemeinsam mit Rigmor Gustafsson auf „I Will Wait For You“, 2002 mit „Sentimental Journey“ und 2011 mit „The Moon, The Stars, And You“ weiter. Auf dem 2005 erschienenen Album „Creole Love Call“ mit Joe Sample beweist er sich auch als Blues-Sänger.

Landgren nimmt immer wieder Bezug zu seinem Heimatland - erstmals auf „Gotland“ (mit Tomasz Stanko, 1996) und später auf den beiden Duo-Alben „Layers of Light“ und „Swedish Folk Modern“ mit dem Pianisten Esbjörn Svensson, auf denen die beiden traditionelles schwedisches Liedgut interpretieren. 2005 initiierte er mit stetig zunehmendem Erfolg die CD- und Konzert-Serie „Christmas with My Friends“, bei der er mit skandinavischen Musikern Weihnachtslieder interpretiert. Ein ganz besonderes Projekt ist „Salzau Music on The Water“, aufgenommen live bei JazzBaltica 2006 mit Lars Danielsson und Christopher Dell. Die spontane Improvisation von seltener Ruhe und meditativer Kraft wurde in den frühen Morgenstunden aufgenommen. Nils Landgren ist darüber hinaus auf zahlreichen Alben als Gastmusiker zu hören, wie von Viktoria Tolstoy, Ida Sand, Wolfgang Haffner und Joe Sample, in dessen Band Crusaders er über viele Jahre Mitglied war.

Nils Landgren ist mit verschiedenen Big Band-Formationen weltweit unterwegs und wird als Gastsolist engagiert. Seinen ersten Job als Lead-Posaunist erhielt er Anfang der 80er Jahre in der Big Band von Thad Jones. Von 1998 bis 2001 war Landgren Mitglied der NDR Big Band in Hamburg. Für die Konzertsaison 2008/2009 wurde er als Doppelspitze für die Leitung der NDR Big Band verpflichtet, zusammen mit Dirigent und Arrangeur Jörg Achim Keller. Bis heute konzertiert Landgren regelmäßig mit der NDR Big Band. 2006 war er mit der WDR Big Band Köln an der letzten Aufnahme des Saxophonisten Eddie Harris beteiligt („Last Concert“). Aktuell steht Landgren der Bohuslän Big Band als künstlerischer Leiter vor, mit der er 2011 die Cole Porter-Hommage „Don’t Fence Me In“ veröffentlichte, arrangiert von Colin Towns.

Neben seinen zahlreichen Veröffentlichungen als Posaunist und Sänger trat Nils Landgren auch als Produzent in Erscheinung, darunter für Alben der schwedischen Sängerinnen Viktoria Tolstoy und Ida Sand, von Wolfgang Haffner und den Newcomern Julian & Roman Wasserfuhr, Adam Baldych und Mo’ Blow.

Nils Landgren war in den Jahren 2001 und von 2008 bis 2011 künstlerischer Leiter des JazzFest Berlin, in Nachfolge von Peter Schulze. Seit 2012 hat er außerdem die künstlerische Leitung von JazzBaltica inne. Seit 2006 lehrt er als Dozent an der Musikhochschule Hamburg Jazz-Posaune.
Quelle: wikipedia.org
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