Mark Forster Biographie

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Mark Forster Biographie

 

Ein Nest namens Winnweiler, eine Band mit einem albernen Namen, ein Freund, der ihm wegen eines Glases Mineralwasser den Kopf wäscht, ein überfälliger Umzug nach Berlin. Der Jakobsweg mit Mitte zwanzig, ein abgebrochenes Jurastudium, eine Weile als Pianist und Sidekick von Kurt Krömer. Das Studio in Kreuzberg, die gemeinsame Kaffeemaschine mit Peter Fox und Seeed. Texten mit dem iPhone und komponieren am Klavier, eine Zeile aus ‚Der kleine Prinz’ und ein Song mit einem spannenden Namen. First-Take-Deal, verdammt gute Vibes, High five mit Ralf-Christian Mayer und ab nach Spanien. Songs aufreißen, echte Streicher, großes Kino.

Klingt so eine durchgestylte Künstlerbiografie?

Gegenfrage: Wen interessiert das, wenn der Musiker dahinter ein grandioses Debütalbum geschrieben hat? Mark Forster ist achtundzwanzig, meidet heutzutage Gesangsunterricht und ist seinem rumänischen Klavierlehrer im Nachhinein ziemlich dankbar. Jetzt gerade freut er sich auf die kommenden Konzerte mit seiner Band noch mehr als sonst, weil das Album „KARTON“ aus allen Schubladen platzt und dringend an die Luft muss.



»Der Text steht im Vordergrund, die Melodie ist König.«

Könnte man als Beschreibung von Mark Forsters Debütalbum „KARTON“ auch einfach so stehen lassen, weil er es selbst gesagt hat und das schließlich auch jeder hören kann. Muss man aber nicht, weil es über den „KARTON“ spannende Sachen zu erzählen gibt. Zum Beispiel, wie die Kompositionen den Komponisten im Griff haben: »Manche Lieder müssen sofort geschrieben werden, weil ich sie gerade brauche, um mit einem Problem klarzukommen oder um genau jetzt ein Mädchen zurückzugewinnen oder auch einfach um Dampf abzulassen. Ich habe noch nie ein Lied geträumt, aber schon öfter erlebt, dass ein Song einfach da ist und ich habe keine Ahnung woher.« Es könnte eine Art Ying/Yang-Geschichte sein oder auch eine simple Trotzreaktion, dass Mark Forster bei den Aufnahmen zum „KARTON“ immer versucht hat, genau das zu machen, was niemand erwartet.

Im Einzelnen bedeutet das: Ein „KARTON“-Track braucht eigentlich nur sehnsüchtig anzufangen, um ziemlich schnell von einem selbstbewussten und kommunikativen Beat angesprochen zu werden („DU UND ICH“). An einer Bilderbuch-Stelle für Streicher bekommt urplötzlich ein unaufgeregter »Fitzelgroove« seinen großen Auftritt („DU FLIEGST DAVON“). Die erste Single „AUF DEM WEG“ handelt von der Frage, ob das Ziel denn überhaupt das Ziel ist – und überhaupt haben organische Instrumente grundsätzlich was mit Elektronischen („BERG AB“). Oder es läuft wie bei „NUR DU“ – wunderschöne Saiteninstrumente werden aufwendig aufgenommen, um einen Effekt drüberzulegen, der sie irgendwie unecht klingen lässt.

Weil es sich nicht teuer anhören soll, sondern ehrlich.
(Ja, 5 Euro in die Klischee-Kasse, aber so isses halt.)

Man kann im „KARTON“ aber auch versteckte Botschaften auf sehr leisen Tonspuren entdecken gehen. In den Studios in Kornwestheim, Berlin, Remiremont und Motril wurden nämlich alle 13 Songs so oft hintereinander gespielt, dass sie irgendwann nur noch aus Gefühl bestanden. Spätestens bei Take 40 wurden Fingersätze zugunsten von Textinhalten ausgeblendet und das kann man genauso auf dem Album hören, wie die Späße aus den Lockerungstakes 1-39. Spannend ist übrigens auch die Coverversion von „SIE IST WEG“. Dem Fanta-4-Track, den wir alle im Schlaf mit-rappen können. Dank Mark Forster können wir den jetzt auch im Schlaf mit-singen.

Aber auch wenn das Album mit Ansage richtig schön tanzbar geworden ist – Herr Forster ist natürlich nicht nur ein Schönwetter-Songwriter. Der Titelsong „KARTON“ ist das erste Lied, das er mit Mitte zwanzig nach seiner Reise auf dem Jakobsweg geschrieben hat und erzählt von handelsüblichem Liebeskummer. Nicht so üblich ist die Tatsache, dass ein Mensch wie Forster in der Lage ist, einzusehen, dass es darin eigentlich gar nicht um das Mädchen geht, sondern um verdammt aufrichtige Selbstreflexion – und dem Musiker Forster danach klar wurde, dass das genau die Art Musik ist, die er machen will: Hosen runter, Narben müssen an die Luft bevor sie heilen.

Klingt so eine wohltemperierte Album-Information?
(Keine Ahnung, aber „KARTON“ klingt definitiv top.)

Wild entschlossen »mitte-links«: weder modern noch old-school, obwohl viele das ja gerade gern sein wollen; weder akustisch noch elektrisch, obwohl viele das ja gerade gern sein wollen. Weder künstlich auf Kante geknetet noch übertrieben auf Pop gebürstet. Mark Forster schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, singt noch viel besser als ihr jetzt denkt und macht sich nichts aus Attitude. „KARTON“ macht Laune und erscheint Anfang Juni 2012.


Quelle: markforster.de/biography